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Das Alkohol trinken zu einer Krankheit werden kann, wusste, ich nicht So lange mir der Alkohol schmeckte, ging es mir gut. Nur mit Geschmack hatte mein Trinkverhalten wenig zu tun, und dass Alkohol krank macht, merkte ich nur morgens beim Kniefall vor der Kloschüssel. Da ging es mir nie gut, aber nach dem 2. oder 3. grösseren Schluck aus der Pulle (Bier oder Wein) ging es mir immer besser. Ich merkte gar nicht mehr, warum das überhaupt so ist, mir ging es ja wieder gut, also muss ich gestern Abend wohl ein wenig zu viel getrunken haben. Dass mein Alkoholspiegel nicht stimmte, davon hatte ich keine Ahnung, nur dass es mir besser ging, nachdem ich meinen Alkoholspiegel angepasst hatte, das merkte ich jeden Tag. Nur ich wusste nicht, was es bedeutete. Also, dachte ich so bei mir, kann es ja nicht schlimm sein, wenn es mir doch nach den ersten Schlückchen immer besser ging. So gedacht und getan. Ich war ja nicht alkoholabhängig. Das waren doch die, die da unten auf der Mauer am Fluss. Die, die nie duschten oder sich nie die Zähne putzten. Die immer zerlumpt rumlaufen mit strähnigen Haaren. Das sind doch die Alkis, als ein sichtbarer Beweis unserer Gesellschaft, nicht ich, der seiner Arbeit nachgeht und jeden Morgen vor dem Klo den Kniefall probt.
Bis zu dem Tag, an dem es mir morgens gar nicht gut ging und mir auch der 1. Tropfen nicht “schmeckte”. Also machte ich einen auf flau und schlecht und blieb zu Hause. Da mir überhaupt nix schmeckte, ging es mir den ganzen Tag nicht gut (der Entzug stellte sich ein) und so gegen 15:30 Uhr gingen bei mir, ohne Vorwarnung, die Lichter aus. Als ich wieder wach wurde, war der Notarzt da, mein Hausarzt und die ganze Verwandtschaft. Was für ein Auflauf für einen, der mal kurz von der Couch gefallen ist. Nur was mir der Arzt nach der Einlieferung ins Krankenhaus sagte, war gar nicht so toll. Der Arzt meinte, ich sei ein hochgradiger Alkoholiker, der eben einen “Grand mal-Anfall” gehabt hatte nach unkontrolliertem Alkoholentzug. Was schwafelte der Weisskittel denn da für einen Blödsinn von unkontrolliertem Entzug. Ich habe doch nicht entzogen, habe doch nur einen Tag wenig getrunken (was bei jedem anders verlaufen kann.) Das macht das “Grand mal” so gefährlich, denn der so genannte unkontrollierte Entzug kann sogar tödlich enden. So klärte mich der Arzt auf. Ich glaubte dem Fachchinesisch sowie nicht. Ich wusste doch, wo es lang geht, so dachte ich jedenfalls! Doch es kam ganz anders. Da ich zu Hause am Umbauen war und mir keiner die Arbeit fertig stellte, ging ich früher aus dem Krankenhaus, als ich sollte. Was der grösste Fehler war, den ich machen konnte. Da ich freiwillig gegangen bin, legte man (LVA Speyer) das als Abbruch einer Stationären Entgiftung aus und stempelte mich als unverbesserlichen Alkoholiker ab. Obwohl ich seit dem Zeitpunkt keinen Tropfen Alkohol mehr anrührte, glaubte man mir nicht, denn wer sich gegen die Obrigkeit auflehnt, hat schon im voraus verloren. Also forderte die LVA einen Sozialbericht von mir, weswegen ich in einer Caritas-Beratungsstelle vorstellig wurde. Da ich den Sinn für die Gerechtigkeit in unsrem Lande verloren hatte und das nicht für mich behielt (nach 9 Monaten forderte mich erst die LVA auf, einen Sozialbericht zu erstellen), war ich auch bei der Caritas unten durch. Und weil ich mich weigerte, eine Langzeit-Therapie durchzuführen (nach 9 Monaten Abstinenz), war dieser Zug auch abgefahren. Die LVA lehnte mein Anliegen zwecks Umschulung ab, so dass ich mir selber Arbeit suchen musste. Die ich auch, aber nur durch eigene Bemühungen, bald fand. Ich erholte mich von den Tiefschlägen der Behörden und Ãmter.
Ich war nun schon über 2 Jahre trocken, nur kapiert hatte ich noch überhaupt nichts, denn Trockenheit hat noch lange nichts mit Abstinenz zu tun. Meine Trockenheit verdankte ich nur meinem Trotz gegen über den Behörden und Ämtern. Denen wollte ich doch nur zeigen, dass ich kein Alki bin, dass sie sich alle in mir getäuscht hatten, diese Sesselpupser, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Doch ich tat mir damit keinen Gefallen. Ich wurde immer unzufriedener und unausstehlicher. Was meine Familie auch noch zu ertragen hatte, ohne deren Hilfe ich nicht so weit gekommen wäre. Obwohl mir, wenn ich mal etwas später als geplant nach Hause kam, ein gewisses Misstrauen entgegen kam. Was ich auch verstand nach so langer Zeit des immer zu spät und zu voll Heimkommens.
Durch Zufall lief mir eines Tages ein Gefährte des Kreuzbundes über den Weg, und wir gingen einen Kaffee trinken, samstags morgens um 8 Uhr. Wir kamen ins Gespräch, und er merkte meine Unzufriedenheit, die sich eingestellt hatte. Deshalb lud er mich zu einem Gruppenabend ein, den er selbst leitete. Bis heute bereue ich nicht, hingegangen zu sein. Erst durch die Gruppe lernte ich, mich meinen Problemen zu stellen und darüber zu reden. Diese Selbsthilfe-Gruppe bestand aus Leuten wie du und ich, und alle hatten den gleichen Weg hinter sich. Sie waren den Weg gegangen und hatten alle Erfahrungen gesammelt. Diese Erfahrungen werden bis heute noch ausgetauscht und geben der Gruppe den Sinn für das Fortbestehen. Allzu gerne wird das Zusammensein in der Gruppe abgetan als leere Gespräche und Kaffee trinken. In Wirklichkeit bringen die Selbsthilfegruppen erst den wirklichen Durchbruch für ein Leben Ohne Alkohol!
Resümee
Fange an, Dir einzugestehen, dass Du krank bist, und zwar alkoholkrank, belüge Dich nicht selber mit Ausreden, die keine sind, lass Dir von den richtigen Leuten helfen, die Ahnung von der Krankheit haben, denn Freunde hast Du nur sehr wenige auf dem steinigen Weg in eine zufriedene Abstinenz - sei es vom Alkohol oder sonstigen Suchtmitteln. Kontakte und regelmässige Gruppenbesuche in Selbsthilfegruppen sind sehr wichtig, denn die wenigsten schaffen es alleine, auf Dauer suchtmittelfrei zu leben.
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